Geschichte

Das bereits im Jahre 1045 erstmals urkundlich erwähnte Wachbach, ist mit rund 1300 Einwohnern einer der größten Stadtteile von Bad Mergentheim.
Wachbach gehörte früher zum Bistum Würzburg und hat heute neben dem Renaissanceschloss, das sich in Privatbesitz befindet und der im romanischen Stil erbauten evangelischen Kirche, zwei der schönsten Gebäude in der Gegend.

Die verlassene Beginenklause
Ein Haufen marodierender Landsknechte lagerte auf halber Höhe an der Heersteige nach Wachbach zu. Von dort aus konnte man das ganze Dorf überblicken. Sie berieten lange darüber, wo hier wohl noch etwas zu holen wäre. Im Dorf, das wussten sie, war Hunger und Armut wie überall, da lohnte es sich nicht zu einem Raubzug dort einzufallen. Auf der Burg waren die Burgherren abwesend. Diese trieben sich gerade in der Gegend im Lichtel herum. Trotzdem konnten sie sich nicht näher heranwagen, denn sie sahen die Schildwachen mit ihren Hellebarden hinter den Zinnen auf und ab gehen. Die Klause der frommen Frauen zu Wachbach lag zu dieser Stunde im hellen Sonnenlicht und zu dieser Zeit hörte man das Glöckchen zur Andacht rufen. Der Anführer der Gruppe erhoffte sich gute Beute, denn die Frauen waren alle aus reichen und meist adeligen Häusern.

Margret v. Wollmershausen war zur Zeit im Klösterchen und diese kannte der Anführer gut. War er doch von Amlishagen und dort saßen die Wollmershäuser, deren Reichtum weithin bekannt war. Vor dem Klösterchen angekommen, schlugen sie den großen Türklopfer und wollten um Abgaben bitten in der Hoffnung, dass ihnen die Tür weit genug aufgemacht werden würde, um sich dann gewaltsam Einlass zu erzwingen. Aber im Klösterchen war kein Laut zu hören, obwohl vor einer viertel Stunde noch das Glöckchen gezogen wurde. Niemand jedoch hatte die Klause verlassen, denn von der Heersteige aus hätten sie dies sehen müssen. Doch sie konnten sich viel Zeit lassen. Wo sie sich gerade herumtrieben interessierte niemand und so beschlossen sie, ihr Lager vor dem großen Tor aufzuschlagen. Abwechselnd musste einer der wüsten Gesellen hinter dem Mauervorsprung Posten beziehen, denn dort war eine winzige Türe, zu der man notfalls heraus- oder hineinschlüpfen konnte.
Acht Tage biwakierten sie vor der Klause. Im Dorf stahlen sie von den armen Leuten alles was sie zum Verzehr benötigten. Noch immer hörten sie keinen Laut innerhalb der Mauern.
In jener Nacht, als sie beschlossen hatten, über die mauern zu klettern, hörten sie plötzlich ein schreckliches Heulen, das nicht mehr aufhörte und nur ab und zu von einem bösen Knurren unterbrochen wurde. Sie glaubten der Höllenhund heule im Klosterhof und zogen schaudernd ab.
Die Klosterfrauen aber gingen anderntags mit ihrer Habe wieder vom Burgberg auf halber Höhe, dem Hohlweg entlang zur Klause zurück. Sie hatten sich durch den unterirdischen Gang, der Burg und Klause miteinander verband, rechtzeitig davongemacht, als sie den Landsknechtshaufen an der Heersteige sahen. Die Margret v. Wollmershausen hatte nämlich den Anführer an seinem giftgrünen Wams erkannt und befürchtet, dass er das Haus der Klausnerinnen ausrauben wolle. Nach verbrieftem Recht mussten die Burgherren bei Gefahr den Frauen Schutz gewähren und diesen hatten sie diesmal in Anspruch genommen. Die Klausnerinnen konnten sich allerdings nicht erklären, wieso die Gesellen ohne Beute nächtlicherweise das Weite suchten. Wem sie aber den Abzug des wüsten Haufens zu verdanken hatten, sahen sie, als sie den Klosterhof betraten, denn dort lag der große schwarze Hofhund verhungert neben dem Ziehbrunnen.

Aus der Sammlung: Wachbacher Sagen und Erzählungen
Quelle: Wachbacher Heimatbuch „Geschichte eines Dorfes“ Band I von Frau Anita Bengel